Venus Verspinnt, Heinz Thiel

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Eröffnung “Galerie im b.i.b. Belle Shafir,” Venus verspinnt 2003″ am 29.04.2003

Während der Bauphase dieser skulpturalen Arbeit muβte such die Künstlerin eine Reihe von Charakteristiken zur Form anhören(und ich war auch daran beteiligt):

Die Rohform sah teils wie eine Gurkenform ausoder wie ein Zeppelingerüst, später dann ummantelt mit weissen Vlies wie eine Taschentuch-Maus, ein Wickelbaby ode rein Kokon. Aber die Einladung zu dieser Präsentation sagte ja deutlich, dass es sich um eine “Venus” handeln würde. Missverständnisse waren also nur eine Soielerlei.

Wenn eine Künstlerin “Venus zu einem ihrer Hauptthemen auswählt, dann denkt sie mit Sicherheit an etwas anderes, als männliche Betrachter oder auch männliche Künstler. ” am Anfang stand Botticelle”, sagte mit Belle Shafir, auf due Berühmte “Geburt der Venus” in den Uffizien in Florenz anspielend.

Die vertrauemte, win im Schweben hingebungsvolle Figur, die Boticelle auf die offene Muschel gestellt hat –  eine Zurschaustellung, wie sie in den Historien von Genoveva und anderen verbal und illustrative beschrieben wird, nackt auf einem Pferderücken, die Brust bedeckt mit den langen Haaren –  diese Figur wird von Belle Shafir auf eine symbolhafte eliptische Form reduziert. Das Objekt schwebt so zwischen den zum Sofa umgewandelteen Lippen von Mae Weat und den rueden Vagina Ritzungen an Wänden und Zauenen. Es schein, Als Belle Shafir auszuloten versucht, wie viel Emotionen die Idee “Venus”heute noch ertraegt.

Seit dem Jahr 1999 taucht im Werk von Belle Shafir immer wieder elliptische, vaginale Formen auf. Sie sind die Grundform verschiedener Venus-Installationen – in Skandinavien in die Erde gegraben, in Venedig bei der 5. Skulpturen und Installatioen-ausstellung am Lido auf grosse braune Blätter gelegt, in Bonn und Emsdetten im vergangenen Jahr ald Federn-Venus ins Herz eines Labyrinths gestellt und in Israel zuvor als Distel-Venus in die Landschaft platziert.

Zeitgleich entwickelten sicj Altäre und Labyrinthe,

Die drei Sujets sind im Werke von Belle Shafir miteinander verwoben.

Unter der Stichwort:”The Path between a Maze, Sexuel lust and Altar” – Der Weg zwischen dem Labyrinth(kann auch “Gitter” oder “Netz” bedeuten), sexueller Wollus (Begierde) und Altar schreibt sie:

“Unser Lebensweg ist ein endloses Labyrinth, in dem wir unseren Weg suchen, unsere sexuelle Identität und einen Weg heraus aus den Mauern, die uns einschliessen”.

Belle Shafir arbeitet nicht mit Deteils in ihrer Kunst. Sie vertraut der groben Form, die zwar liebevoll erarbeitet, aber deshalb nicht kleinteilig wird. Damit wehrt sie auch alles Erzählerische ab.

Wenn sich Narratives einschleicht, dann in den Zeichnungen, die z.T. als Ideenskizzen bereits vergangenen Jahr enstanden sind, teils als spielerische Weiterentwiscklungen erst nach Beendigungen der Konstruktion.

Das kreisende, sich immer Wiederholende gleicher Strichfolgen kreiert eine Atmosphäre die uns innere Bewegung zu suggerieren scheint, Aus dem Symbolischen der Form löst sich das Spielerisch. Die Zeichnungen sind lebhafter als die Skulpturen, Objekte oder Installationen – sie haben Bewegung.

Beides scheint die Künstlerin greifen zu wollen: Bewegung und Statische Setzung –  Fliessen und Ruhen.

Ueber die “Entdeckung einer weichen, weiblichen Form” schreibt Belle Shafir im Katalog der Ausstellung in Bonn(die den Titel”Ambivalenzen” trug):

“Die Gedanken veranderen sich, das Gewese ist vergessen, die Form uberträgt ihre Ursprünglickeit auf mich.”

Die Form, die sic him Kunstwerk zeigt, erweist sich als Bausstein des “kuenstlerische Selbst” ( in der Literatur würde man schlicht vom “lyrischen Ich” sprechen).

Nicht nur Litaratur, auch visuelle Kunst ist ein Erproben von Möglichkeiten für das Leben, ein Lebensentwurf.

Belle Shafir befragt in ihrer Kunst wesentliche Aeusserungen menschlichen Lebens: die Sprache,(sie entwickelte unverstandliche Sprache, um herauszufinden, ob man so Missverstaendnisse vermeiden kann), die Aussagekraft von Haenden und Handzeichen, als”handgreifliche” Verbindung von Subjekt und Objekt, vom Ich zum anderen, fremden Ich, die ausgelebte Natur (Baumwurzeln, abgestorbene Aeste, vertrocknete Früchte). Was hat Vebindung zum Lebendigen, zum Zukunftsweisenden – so kann man ihre Fragenstellungen lesen.

Und mit Labyrinth, Vagina und Altar stellt sie nun eine Trinität vor, die geradezu birst vor Symbolk. Dabei bezeichnen eigentlich alle drei Objekte das gleiche: die Unendlicjkeit des Lebens, die nur den Durchgang durch den Tod gewährleistet ist.

Als kurze Erlaeuterung: das Labyrinth ist in Australien der Weg vom Leben zum Tod und vom Tod zum Leben –  und das ist e rim Grund auch in der griechischen Mythologie: Ariadne ermöglicht Theseus durch ihren Faden, dem To dim Labyrinth(durch Minotauos) ein Schnippchen zu schlagen. Bevor sie zur Tochter des Minos in der griechischen Mythologie wurde, war sie eine heimische Vegeatationsgoettin auf Kreta und den Aegaeischen Inseln.

Der Altar ist die kommunikative Schaltstelle zwischen Erde und Himmel, Menschen und Gott und es ist auch der Platz, an dem Abraham seinenSohn Isaac opfern sollte, der dann doch einen Stellvertreter bekam. Der Altar als Opferblock wurde im AT zum Lebensspender.

Die Vagina als”pforte des Lebens” (Samen rein-Kind raus) unterstreicht das Lebensspenderverstaendnis der anderen beiden Bilder.

Das Ganze waere ein wenig duerftig, wenn man es darauf reduzieren wollte, das eine Frau ein Vagina-Symbol als Kunstobjekt kreiert.

Um der kuenstlerin gerescht zu werden, sollte man eine Ebene ansprechen, die gemeinhin gern ausgeblendet wird: die biogrfische.

Belle Shafir versteckt sich gerne hinter dem Weibliche-Privaten. Andererseits benennt sie das Biografissche ganz deutlich, wenn sie es in einen Text verbraemen kann.

Belle ist in Amberg/Bayern 1953 geboren – ein Nachkriegskind. Mit 19 verlaesst sie die Stadt ihrer Geburt, Kindheit und Puberitaet und emigriert nach Israel(Emigration scheint mir hier der richtige Begriff gegenueber deiner IMMigration nach Israel zu sein).

Darin gibt es zwei bemerkenswerte Stellen: in der Volksschule sagte ein Maedchen zu ihre ” Du bist ein dreckiger Jude” und ihre Mutter erklaerte ihr “Sie ist eine Christin und wir sind anders”.- Belle hat mir noch vor Vier Tagengesagt, dass sie als Kind keinen Antisemitismus erlebt haette. Aber irgendetws ist da gewesen. Die zweite bemerkenswerte Stelle in der kleinen Geschichte, die natuerlich von “einem Maedchen” erzaehlt bezieht sich auf die erste Liebe, die von zu Hause nicht geduldet wird – ” We are different, they are different, you are not allowed to be with them.”

Nach Israel zu gehen, ear danach (und ganz verstaendlich) eine Befreiung von der Bevormundung durch Verbots-Mauern. Nachdem die das normale Erwachsenleben in Israel gelebt hatte, gab es wieder innere Unruhen bei der Erzaehlin. Die Geschichte endet mit dem Satz: ” Suddenly she arrived to the land of colors and form, and she knew that she had found a new home.”

Belle Shafir, die als Belle Berger in Deutschland lebte, befragt ihr Leben (wohl auch das ihrer Eltern) und hat in den vergangenen Jahren immer haeufiger in Deutschland ausgestellt. Es ist vielleicht nur eine Erprobung der neuen Nationalitaet ” Kuenstlerin”, vielleicht aber auch ein ins Reine kommen mit widrigen Umstaenden des Lebens: Gibt es heute noch so etwas wie Wurzeln, die im Regionalen, im Leben mit Nachbarn, in Historie liegen koenen?

Das was Belle Shafir tut, wird heute als “Second Generation Holocaust Surviver”

Gesehen – was bedeutet: die Kinder formulieren mit Kunst die Probleme ihrer Eltern, die diese ihren Kindern immer verheimlicht haben, um sie damit nicht zu belasten.

Wegrennen vor den eigenen Problemen kann man nicht – das ist kein Erkenntnis, doch diese Installation ist eine Bestaetigung dafuer.

Das Einfache ist das Schwierige, das getan werden muss.-Etwas, das einem Bedrueckt beim Namen zu nennen, das ist schon eine Leistung.Und Einfaches al seine komplizierte Aussage zu erkennen und zu akzeptieren, ist eine Leistung, die Kunstbetrachter manchmal erbringen muessen.

Die Kunst von Belle Shafir wird in den kommenden Jahren in dem Masse komplisierter und vielschichtiger, wie sie sich ihren Them annimmt und “Heimat” vielleicht nicht in immer neuer Fremde sucht, sondern dort, wo man ganz bei sich zu Hause ist – vielleicht im Weiblichen, vielleicht im Historischen, vielleicht im Tantrischen, dem einsamen Meditieren.

Die ” Venus “, die im Schweben von fast unsichtbaren Faeden gehalten wird, kann wie ein Baby sanft schaukeln, aber sie kann auch wie in einem Spinnennezt gefangen sein. Sie ist nicht selbstaendig, sie braucht “ihr Umland”, einen Koerper, in dem das Leben wieder beginnen kann.

Kurator Heinz Thiel, Hannover 29.04.2003

Eröffnung “Galerie im b.i.b. Belle Shafir,” Venus verspinnt 2003″ am 29.04.2003

Während der Bauphase dieser skulpturalen Arbeit muβte such die Künstlerin eine Reihe von Charakteristiken zur Form anhören(und ich war auch daran beteiligt):

Die Rohform sah teils wie eine Gurkenform ausoder wie ein Zeppelingerüst, später dann ummantelt mit weissen Vlies wie eine Taschentuch-Maus, ein Wickelbaby ode rein Kokon. Aber die Einladung zu dieser Präsentation sagte ja deutlich, dass es sich um eine “Venus” handeln würde. Missverständnisse waren also nur eine Soielerlei.

Wenn eine Künstlerin “Venus zu einem ihrer Hauptthemen auswählt, dann denkt sie mit Sicherheit an etwas anderes, als männliche Betrachter oder auch männliche Künstler. ” am Anfang stand Botticelle”, sagte mit Belle Shafir, auf due Berühmte “Geburt der Venus” in den Uffizien in Florenz anspielend.

Die vertrauemte, win im Schweben hingebungsvolle Figur, die Boticelle auf die offene Muschel gestellt hat –  eine Zurschaustellung, wie sie in den Historien von Genoveva und anderen verbal und illustrative beschrieben wird, nackt auf einem Pferderücken, die Brust bedeckt mit den langen Haaren –  diese Figur wird von Belle Shafir auf eine symbolhafte eliptische Form reduziert. Das Objekt schwebt so zwischen den zum Sofa umgewandelteen Lippen von Mae Weat und den rueden Vagina Ritzungen an Wänden und Zauenen. Es schein, Als Belle Shafir auszuloten versucht, wie viel Emotionen die Idee “Venus”heute noch ertraegt.

Seit dem Jahr 1999 taucht im Werk von Belle Shafir immer wieder elliptische, vaginale Formen auf. Sie sind die Grundform verschiedener Venus-Installationen – in Skandinavien in die Erde gegraben, in Venedig bei der 5. Skulpturen und Installatioen-ausstellung am Lido auf grosse braune Blätter gelegt, in Bonn und Emsdetten im vergangenen Jahr ald Federn-Venus ins Herz eines Labyrinths gestellt und in Israel zuvor als Distel-Venus in die Landschaft platziert.

Zeitgleich entwickelten sicj Altäre und Labyrinthe,

Die drei Sujets sind im Werke von Belle Shafir miteinander verwoben.

Unter der Stichwort:”The Path between a Maze, Sexuel lust and Altar” – Der Weg zwischen dem Labyrinth(kann auch “Gitter” oder “Netz” bedeuten), sexueller Wollus (Begierde) und Altar schreibt sie:

“Unser Lebensweg ist ein endloses Labyrinth, in dem wir unseren Weg suchen, unsere sexuelle Identität und einen Weg heraus aus den Mauern, die uns einschliessen”.

Belle Shafir arbeitet nicht mit Deteils in ihrer Kunst. Sie vertraut der groben Form, die zwar liebevoll erarbeitet, aber deshalb nicht kleinteilig wird. Damit wehrt sie auch alles Erzählerische ab.

Wenn sich Narratives einschleicht, dann in den Zeichnungen, die z.T. als Ideenskizzen bereits vergangenen Jahr enstanden sind, teils als spielerische Weiterentwiscklungen erst nach Beendigungen der Konstruktion.

Das kreisende, sich immer Wiederholende gleicher Strichfolgen kreiert eine Atmosphäre die uns innere Bewegung zu suggerieren scheint, Aus dem Symbolischen der Form löst sich das Spielerisch. Die Zeichnungen sind lebhafter als die Skulpturen, Objekte oder Installationen – sie haben Bewegung.

Beides scheint die Künstlerin greifen zu wollen: Bewegung und Statische Setzung –  Fliessen und Ruhen.

Ueber die “Entdeckung einer weichen, weiblichen Form” schreibt Belle Shafir im Katalog der Ausstellung in Bonn(die den Titel”Ambivalenzen” trug):

“Die Gedanken veranderen sich, das Gewese ist vergessen, die Form uberträgt ihre Ursprünglickeit auf mich.”

Die Form, die sic him Kunstwerk zeigt, erweist sich als Bausstein des “kuenstlerische Selbst” ( in der Literatur würde man schlicht vom “lyrischen Ich” sprechen).

Nicht nur Litaratur, auch visuelle Kunst ist ein Erproben von Möglichkeiten für das Leben, ein Lebensentwurf.

Belle Shafir befragt in ihrer Kunst wesentliche Aeusserungen menschlichen Lebens: die Sprache,(sie entwickelte unverstandliche Sprache, um herauszufinden, ob man so Missverstaendnisse vermeiden kann), die Aussagekraft von Haenden und Handzeichen, als”handgreifliche” Verbindung von Subjekt und Objekt, vom Ich zum anderen, fremden Ich, die ausgelebte Natur (Baumwurzeln, abgestorbene Aeste, vertrocknete Früchte). Was hat Vebindung zum Lebendigen, zum Zukunftsweisenden – so kann man ihre Fragenstellungen lesen.

Und mit Labyrinth, Vagina und Altar stellt sie nun eine Trinität vor, die geradezu birst vor Symbolk. Dabei bezeichnen eigentlich alle drei Objekte das gleiche: die Unendlicjkeit des Lebens, die nur den Durchgang durch den Tod gewährleistet ist.

Als kurze Erlaeuterung: das Labyrinth ist in Australien der Weg vom Leben zum Tod und vom Tod zum Leben –  und das ist e rim Grund auch in der griechischen Mythologie: Ariadne ermöglicht Theseus durch ihren Faden, dem To dim Labyrinth(durch Minotauos) ein Schnippchen zu schlagen. Bevor sie zur Tochter des Minos in der griechischen Mythologie wurde, war sie eine heimische Vegeatationsgoettin auf Kreta und den Aegaeischen Inseln.

Der Altar ist die kommunikative Schaltstelle zwischen Erde und Himmel, Menschen und Gott und es ist auch der Platz, an dem Abraham seinenSohn Isaac opfern sollte, der dann doch einen Stellvertreter bekam. Der Altar als Opferblock wurde im AT zum Lebensspender.

Die Vagina als”pforte des Lebens” (Samen rein-Kind raus) unterstreicht das Lebensspenderverstaendnis der anderen beiden Bilder.

Das Ganze waere ein wenig duerftig, wenn man es darauf reduzieren wollte, das eine Frau ein Vagina-Symbol als Kunstobjekt kreiert.

Um der kuenstlerin gerescht zu werden, sollte man eine Ebene ansprechen, die gemeinhin gern ausgeblendet wird: die biogrfische.

Belle Shafir versteckt sich gerne hinter dem Weibliche-Privaten. Andererseits benennt sie das Biografissche ganz deutlich, wenn sie es in einen Text verbraemen kann.

Belle ist in Amberg/Bayern 1953 geboren – ein Nachkriegskind. Mit 19 verlaesst sie die Stadt ihrer Geburt, Kindheit und Puberitaet und emigriert nach Israel(Emigration scheint mir hier der richtige Begriff gegenueber deiner IMMigration nach Israel zu sein).

Darin gibt es zwei bemerkenswerte Stellen: in der Volksschule sagte ein Maedchen zu ihre ” Du bist ein dreckiger Jude” und ihre Mutter erklaerte ihr “Sie ist eine Christin und wir sind anders”.- Belle hat mir noch vor Vier Tagengesagt, dass sie als Kind keinen Antisemitismus erlebt haette. Aber irgendetws ist da gewesen. Die zweite bemerkenswerte Stelle in der kleinen Geschichte, die natuerlich von “einem Maedchen” erzaehlt bezieht sich auf die erste Liebe, die von zu Hause nicht geduldet wird – ” We are different, they are different, you are not allowed to be with them.”

Nach Israel zu gehen, ear danach (und ganz verstaendlich) eine Befreiung von der Bevormundung durch Verbots-Mauern. Nachdem die das normale Erwachsenleben in Israel gelebt hatte, gab es wieder innere Unruhen bei der Erzaehlin. Die Geschichte endet mit dem Satz: ” Suddenly she arrived to the land of colors and form, and she knew that she had found a new home.”

Belle Shafir, die als Belle Berger in Deutschland lebte, befragt ihr Leben (wohl auch das ihrer Eltern) und hat in den vergangenen Jahren immer haeufiger in Deutschland ausgestellt. Es ist vielleicht nur eine Erprobung der neuen Nationalitaet ” Kuenstlerin”, vielleicht aber auch ein ins Reine kommen mit widrigen Umstaenden des Lebens: Gibt es heute noch so etwas wie Wurzeln, die im Regionalen, im Leben mit Nachbarn, in Historie liegen koenen?

Das was Belle Shafir tut, wird heute als “Second Generation Holocaust Surviver”

Gesehen – was bedeutet: die Kinder formulieren mit Kunst die Probleme ihrer Eltern, die diese ihren Kindern immer verheimlicht haben, um sie damit nicht zu belasten.

Wegrennen vor den eigenen Problemen kann man nicht – das ist kein Erkenntnis, doch diese Installation ist eine Bestaetigung dafuer.

Das Einfache ist das Schwierige, das getan werden muss.-Etwas, das einem Bedrueckt beim Namen zu nennen, das ist schon eine Leistung.Und Einfaches al seine komplizierte Aussage zu erkennen und zu akzeptieren, ist eine Leistung, die Kunstbetrachter manchmal erbringen muessen.

Die Kunst von Belle Shafir wird in den kommenden Jahren in dem Masse komplisierter und vielschichtiger, wie sie sich ihren Them annimmt und “Heimat” vielleicht nicht in immer neuer Fremde sucht, sondern dort, wo man ganz bei sich zu Hause ist – vielleicht im Weiblichen, vielleicht im Historischen, vielleicht im Tantrischen, dem einsamen Meditieren.

Die ” Venus “, die im Schweben von fast unsichtbaren Faeden gehalten wird, kann wie ein Baby sanft schaukeln, aber sie kann auch wie in einem Spinnennezt gefangen sein. Sie ist nicht selbstaendig, sie braucht “ihr Umland”, einen Koerper, in dem das Leben wieder beginnen kann.

Kurator Heinz Thiel, Hannover 29.04.2003